IS-Terror in Wolfsburg: 25-Jähriger festgenommen
Wolfsburg. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hat in Wolfsburg in der vergangenen Woche einen mutmaßlichen IS-Kämpfer festgenommen. Der 25 Jahre alte Wolfsburger soll in Syrien von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an Waffen und mit Sprengstoff ausgebildet worden sein und in Krisengebieten gekämpft haben.

IS-Kämpfer in Syrien: Ein Wolfsburger soll von der Terrormiliz ausgebildet worden sein und für sie gekämpft haben.
Mit Einzelheiten hält sich das Landeskriminalamt (LKA) Hannover sehr bedeckt. So viel ist sicher: Das SEK hat nach eigenen Angaben am Donnerstag vergangerer Woche im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover den 25-Jährigen verhaftet. Laut NDR leistete er dabei keinen Widerstand. Der Deutsch-Tunesier hatte sich zuletzt in der Heinrich-Heine-Straße aufgehalten. Anwohner dort berichteten von einem Polizei-Einsatz, an dem auch Hundeführer beteiligt waren. Die Polizei wollte diese Angaben nicht bestätigen oder dementieren. Auch in einer Moschee in der Wolfsburger Innenstadt soll der Mann regelmäßig gewesen sein.
Dem Wolfsburger wird vorgeworfen, während seines dreimonatigen Syrien-Aufenthalts in Ausbildungslagern mit Waffen und Sprengstoff trainiert zu haben. Er soll sich dann der IS-Miliz angeschlossen haben und dürfte laut LKA-Präsident Uwe Kolmey auch an Kampfhandlungen im syrischen und irakischen Krisengebiet beteiligt gewesen sein.
Anhaltspunkte dafür, dass der Wolfsburger Terrortaten in Deutschland geplant habe, gebe es keine. Aber das LKA teilte mit, dass in seiner Wohnung „umfangreiche Beweismaterialien beschlagnahmt“ wurden. Und in sozialen Netzwerken soll der 25-Jährige offensiv mit seiner radikal-islamistischen Haltung umgegangen sein.
Experten für Terrorismusbekämpfung der Staatsanwaltschaft Hannover vernahmen den 25-Jährigen. Von seinen Aussagen ist auch eine mögliche spätere Anklage abhängig. Die Justizvollzugsanstalt, in der der Wolfsburger sitzt, wird aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.
Terror-Festnahme löst Entsetzen aus
Die Nachricht löste Bestürzung in der Bevölkerung aus. „Ich hoffe sehr, dass sich die ganze Sache aufklärt“, sagt Dr. Mohamed Kodja, Vorsitzender des Islamischen Vereins Wolfsburg. Er zeigte sich geschockt und wünscht sich eine schnelle Klärung.
Groß ist das Entsetzen auch bei Oberbürgermeister Klaus Mohrs: „Ich verurteile das aufs Schärfste und bin froh, dass die Strafverfolgungsbehörden schnell gehandelt haben. Für extremistische Bestrebungen gibt es in der internationalen und weltoffenen Stadt Wolfsburg keinen Platz.“
Angelika Jahns, Wolfsburger CDU-Landtagsabgeordnete, erfuhr im Rahmen einer Verfassungstagung in Hannover von dem Fall. Sie hat die Debatte über eine Salafismus-Beratungsstelle für Wolfsburg in Gang gebracht. „Ich bin erschüttert, dass es einen derart problematischen Personenkreis in Wolfsburg gibt. Es ist dringend notwendig, dass wir uns um dieses Thema kümmern.“
Gibt es weitere Täter in Wolfsburg?
Nach der Festnahme des 25-jährigen Deutsch-Tunisiers beschäftigt vor allem die Frage: Wie weit verzweigt ist das islamistische Netzwerk in Wolfsburg? Als sicher aber gilt: Der verhaftete Deutsch-Tunesier ist nicht der einzige Wolfsburger, der in den vergangenen Monaten in den Krieg im Nahen Osten gezogen ist. Mindestens zwei weitere Fälle sind bekannt, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Und: Der Bruder eines Wolfsburgers soll sich in die Luft gesprengt haben, wie einem Facebook-Eintrag zu entnehmen ist.
Wie viele Wolfsburger kämpfen mittlerweile für den IS? In moslemischen Kreisen wird von bis zu 20 jungen Leuten gesprochen, die in den letzten Monaten Hals über Kopf in den Krieg gezogen seien. Eine Zahl, die der Verfassungsschutz nicht bestätigen wollte. Aber: Gleichzeitig warnt die Behörde seit Jahren durchaus vor einem „salafistischen Netzwerk“ im Raum Wolfsburg – ganz offensichtlich zu Recht.

Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Mütterzentrum in Salzgitter: Halbzeit für Altersrand-Projekt
Stadt Wolfsburg vertreibt Gänse mit Drohnen!
Wolfsburg: Abenteuer Golf auf der „Schönen Heide“
Verhandlungen gescheitert: Zukunft von Conti-Teves in Gifhorn nach wie vor ungewiss
Salzgitter: So kommt mehr Leben in die CityLebenstedt
Gifhorner Händler ärgern sich über Rücknahmepflicht: „Wir regeln uns noch zu Tode“
Konzertabend Songs of Love steigt im Schloss Oelber