Graugänse: Am Allersee wird jetzt scharf geschossen!
Wolfsburg. Für die einen sind sie eine Plage, für andere gehören sie zur Natur: Graugänse, die die Wolfsburger Seen bevölkern. Um der großen Population Herr zu werden, greift die Stadt zu drastischen Mitteln: Jäger schießen die Gänse seit 1. August – was Kritik von Tierschützen hervorruft.

Graugänse im Fadenkreuz: Die Jagd auf die Tiere stößt zum Teil auf heftige Kritik. Die Stadt sieht die Maßnahmen durch die anhaltend hohe Graugans-Population jedoch gerechtfertigt.
Insbesondere in den frühen Morgen- und späten Abendstunden jage die Wolfsburger Jägerschaft die Graugänse am Allersee. Der Abschuss, der mit Beginn der gesetzlichen Jagdzeit erlaubt ist, sei notwendig, um „die anhaltend hohe Population von Graugänsen“ in Wolfsburg zu verringern, sagt Stadtsprecher Ralf Schmidt. Letzte Zählungen hätten einen Bestand von 160 Alt- und 50 Jungtieren ergeben. Und die hinterließen viel Kot – ausgewachsene Tiere rund zwei Kilogramm pro Tag! „Andere Möglichkeiten, um den Bestand dieser Großvögel am Allersee zu verringern, sind derzeit nicht ersichtlich“, betont Schmidt.
Groß war der Ärger bei vielen Bürgern vor allem, weil die Stadt die Öffentlichkeit nicht über die Gänse-Jagd informiert hatte – sogar der Vorsitzende des Wolfsburger Hegerings erfuhr davon erst aus der WAZ.
Die Stadt allerdings sah – und sieht – eine Information der Öffentlichkeit nicht als erforderlich an: „Jagdliche Aktivitäten werden nur dann von uns öffentlich angekündigt, wenn es Einfluss auf den Straßenverkehr gibt oder ganze Waldstücke für die Öffentlichkeit gesperrt werden“, so Stadtsprecher Ralf Schmidt. Auch der Hegering hätte nicht informiert werden müssen, da es sich um eine Bejagung im „befriedeten Bezirk“ handele, wofür nur der Kreisjägermeister und sein Stellvertreter die Berechtigung besitzen. „Der Hegering ist nicht involviert, weil seine Mitglieder zu dieser Jagd gar keine Befugnis haben.“
Viele Tierschützer wie Tierhilfe-Vorsitzender Sven-Ulf Weilharter sind Entsetzt: „Dass die Stadt die Graugänse überhaupt zum Abschuss freigegeben hat, findet er „unmoralisch“. Vor allem auch, weil die Graugänse nur noch kurze Zeit hier blieben und dann nach Nordafrika weiterziehen.
Es gibt aber auch Fürsprecher. So unterstützt der Sportfischerverein (SFV) die Jagd ausdrücklich. Gefahr sehen die Sportfischer an den Badestellen des Allersees. Dort bildeten sich durch den Gänsekot Keime.
Das sagt der NABU: „Absolute Ausnahmeregelung“
Ulrich Thüre, Pressesprecher vom NABU Niedersachsen, zu zu der Bejagung der Graugänse in Wolfsburg:
Wenn Gänse beschossen werden, fliegen sie mehr, verbrauchen dadurch mehr Energie und müssen diesen Verlust kompensieren. Sie fressen also mehr. Außerdem werden belebte Bereiche gemieden und sie konzentrieren sich auf beruhigte, abgelegene Bereiche. Vergrämungsschüsse werden vom NABU als absolute Ausnahmeregelung gesehen und die Graugänse werden sich nach wenigen Tagen auf andere Gewässer in der Region verteilen.
Gänsekot auf den kurzrasigen Liegewiesen und Wegen sollte für eine Stadt wie Wolfsburg aufgrund der technischen Reinigungsmöglichkeiten, auch und gerade für Sandflächen, sicher kein Problem darstellen. Eine Ausweitung der Schieß-Sondergenehmigung auf andere städtische Teiche darf es nicht geben.
Vielmehr sollte die Stadt ihr Engagement für den Schutz, zum Beispiel der Rohrweihe, und damit der Artenvielfalt im Drömling und Barnbruch stärker und besonders auf den Erhalt und die Sicherung geschützter Arten orientieren.
Das sagen die Jäger: „Thema ist nicht so leicht in Griff zu kriegen“
Ralph Schräder, Erster Vorsitzender der Jägerschaft Wolfsburg, zu der Bejagung der Gänse:
„In diesem besonderen Fall liegt das Jagdgebiet in einem befriedeten Bezirk, das bedeutet, dass Jagdhandlungen nicht ohne weitere Erlaubnis vorgenommen werden dürfen. Nur der Kreisjägermeister bekommt hierfür eine Sondergenehmigung. Und es bedeutet auch, dass dort keine intensive Bejagung stattfinden darf. Bis jetzt sind vier Tiere erlegt worden, es geht bei der ganzen Aktion also vielmehr um das Verschrecken und Vertreiben der Tiere. Allerdings sind Graugänse hochintelligente Tiere, die sich nicht so einfach nachhaltig verteiben lassen.Da die Tiere in und um Wolfsburg beste Lebensbedingungen vorfinden, werden es meiner Meinung nach in Zukunft eher noch mehr werden, mit denen irgendwie umgegangen werden muss.
Der Abschuss ist also nur eine kurzzeitige Maßnahme. Um den Bestand der Graugänse längerfristig zu reduzieren, müssten die Gelege, beispielsweise mit Toneiern ausgetauscht werden. Aber das wäre ein Riesen-Aufwand, zumal die Tiere auch außerhalb Wolfsburgs in großen Zahlen auftreten. Es müsste dann bundesweit durchgeführt werden.“



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