Hallo-Gifhorn-Serie Naturschönheiten: Viel zu entdecken am Wegesrand

Hallo-Gifhorn-Serie Naturschönheiten: Viel zu entdecken am Wegesrand

Landkreis Gifhorn. Natürliche Rückzugsgebiete für einheimische Tiere und Pflanzen sind vergleichsweise rar geworden – selbst im ländlichen Raum dominieren bewirtschaftete Flächen. Durchzogen sind diese von linienartig aufgebauten Biotopen, beispielsweise an Gewässern oder Wegen. Diese schmalen Streifen Natur können ein wertvolles Gegenstück zu weitläufigen Agrarflächen bilden und durch ihre Verschiedenartigkeit eine Heimat für die unterschiedlichsten tierischen und pflanzlichen Bewohner bieten. Auch Blühstreifen im Feld, Raine am Wegesrand, oder Säume an Waldrändern und Wirtschaftwegen sind oft kleine, aber wertvolle Beiträge zur Biodiversität.

Der seltene Sonnentau (oben) gedeiht nur auf extrem mageren Boden und fängt Insekten als Zusatznahrung.

Typische Beispiele für benachbarte Kleinstrukturen sind das Viehmoor bei Leiferde und das Große Moor in der Sassenburg, wo der NABU diese Bereiche so strukturiert, dass viele unterschiedliche Lebensräume entstehen. „Die Gestaltung dieser Räume ist besonders vielfältig“, weiß André Deter vom NABU-Kreisverband Gifhorn. Vom nährstoffarmen bis zu gehaltvollen Böden, von trocken bis sumpfig reicht das Spektrum, sodass ein Großteil der in der Südheide heimischen Spezies den passenden Lebensraum finden kann. „Insekten, Nager, Zauneidechsen, Greifvögel und Heckenbrüter können diese mosaikartigen Landschaften nutzen“, gibt Deter einige Beispiele.
So können auf recht kleinem Raum sehr verschiedene „Nachbarn“ leben: Der seltene Sonnentau, eine Moorpflanze, die auf extrem magerem Boden wächst, und Insekten als „Zubrot“ fängt, kann auch in kleinstrukturierten Landschaften nahe Brennesseln oder der Acker-Kratzdistel als Vielzehrer stehen, die einen hohen Nährstoffgehalt im Boden anzeigen.
Der ökologische Wert dieser „Naturstreifen“ liegt nicht nur in dem Lebensraum, sondern auch als Schutz der umliegenden Landschaft. „Sie dienen auch als Pufferzone beispielsweise bei der Düngung von Äckern“, erklärt Deter. So nehmen die Streifen überzählige Nährstoffe auf und wandeln diese in Biomasse um; benachbarte Wälder, Wiesen, Heide oder Moor können so auch vor Überdüngung geschützt werden. Und auch die wirtschaftlich genutzten Flächen profitieren: Säume und Raine dienen als Schutz vor Sturm und anderen extremen Witterungsbedingungen.
Die kleinen Habitate an Ufern, am Weges- und Waldrand bieten dem aufmerksamen Beobachter – nicht nur im Viehmoor – ein Bild von äußerst vielfältigen Lebensräumen. Wer sich für die Natur interessiert, kann viele spannende Entdeckungen in unscheinbaren Ecken machen.