Wolfsburg: Fest als Kontrapunkt gegen Nazi-Demo
Wolfsburg. Die Stadt bereitet sich auf den Ausnahmezustand vor. Wenn am 1. Juni Rechtsradikale aufmarschieren, könnte am Nordkopf und im Gewerbegebiet Ost der Belagerungszustand herrschen. Parallel dazu, quasi als Kontrapunkt, werden die VW-Parkplätze entlang der Nordhoff-Straße zur bunten Festmeile.

Wolfsburg zeichnet sich durch ein buntes Miteinander aus – deshalb wird am 1. Juni von 10 bis 18 Uhr ein riesiges Fest auf den VW-Parkplätzen an der Nordhoff-Straße gefeiert. Foto: Archiv
Während die Polizei den Einsatz mehrerer tausend Beamter vorbereitet um die Route der demonstrierenden Neonazis zu sichern, wollen IG-Metall, Stadt, Kirchen und VW mit einem Fest ein deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen. Unter dem Motto „Bunt statt braun“ werden sich die VW-Parkplätze in eine Festmeile mit Buden und Bühnen, auf denen Bands spielen, verwandeln. Bis zu 500 Neonazis werden erwartet, dazu über 10.000 friedliche Gegendemonstranten – und wohl einige hundert Linksradikale aus der ganzen Republik. Viele Geschäfte und Einrichtungen entlang der Route werden womöglich dicht machen. Selbst in der Innenstadt, die nicht als Route genehmigt wurde, ist der Handel in Alarmstimmung.
Direkt an der Route liegen das Phaeno, wo die Hauptkundgebung stattfinden soll, das Automuseum und das DOW. „Wir klären zurzeit, ob wir am 1. Juni überhaupt öffnen“, sagt Susanne Wiersch (Automuseum). Von Martina Flamme-Jasper (Phaeno) und Michael Ernst (DOW) gibt es identische Antworten: Die Entscheidung falle erst, wenn die Route endgültig fest stehe.
Schließungen aber sind sehr realistische Optionen: Die Polizei wird den gesamten Bereich wohl über Stunden abriegeln, Kunden kämen kaum rein oder raus. Und auch auf dem Wolfsburger Bahnhof, über den zahlreiche Rechtsradikale anreisen werden, müssen Kunden mit Auswirkungen rechnen – Wolfsburg bereitet sich auf den Ausnahmezustand vor.

Großeinsatz für die Polizei: Die Rechten dürfen in Wolfsburg marschieren, Wolfsburg feiert dagegen bunt gegen Intoleranz.
Während die Rechten an vermutlich völlig leeren Geschäften vorbeimarschieren werden, feiern die Wolfsburger auf den VW-Parkplätzen von 10 bis 18 Uhr ein buntes Fest. „Wir rechnen mit einer Besucherzahl im deutlich fünfstelligen Bereich“, sagt IG-Metall-Sprecher Joachim Fährmann. IGM, Stadt, Kirchen und VW wollten ein deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen. Die Gegenveranstaltung verwandelt die VW-Parkplätze in eine riesige Festmeile mit Buden und Bühnen, auf denen vorwiegend Gruppen und Bands aus der Region spielen. Videoleinwand und gigantische Lautsprecher werden das Spektakel weithin sicht- und hörbar transportieren, die Nordhoff-Straße wird zwischen Schachtweg und Bahnhofstunnel komplett gesperrt.
Gegen 12 Uhr wird eine Kundgebung weniger hundert Rechtsradikaler vor dem Phaeno erwartet – zeitgleich sollen auf dem Bürgerfest OB Klaus Mohrs, IGM-Chef Hartwig Erb sowie Vertreter von VW und Kirchen sprechen. Ein massives Polizeiaufgebot soll die Veranstaltung vor dem Tryp-Hotel vor Übergriffen schützen.
„Bunt statt braun“ heißt es am Samstag, 1. Juni, auch anderswo in Wolfsburg – in Kirchengemeinden und auf der Piazza Italia sind Feste geplant.

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