Fahrradklimatest: Keine guten Noten für Salzgitter
Einer von vielen Sanierungsfällen in der Stadt: Salzgitters ADFC-Vorsitzender Heinz Motruk hält den Radweg in der Berliner Straße an einigen Stellen für gefährlich. Die Verwaltung kenne die Situation, doch ändern tut sich nichts. Das Geld fehlt. Foto: Weiterer

Fahrradklimatest: Keine guten Noten für Salzgitter

Salzgitter. Beim Fahrradklima-Test des ADFC kommt die Stadt nicht gut weg. In der Umfrage landet Salzgitter nur im unteren Mittelfeld auf Platz 76 von 100 der fahrradfreundlichsten Städte seiner Größe, im Landesvergleich auf Platz zehn von zwölf. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012 hat sich das Ergebnis kaum verbessert.

Der Wille im Rathaus ist da, aber das Geld fehlt. Auf diese Kurzformel bringt es Heinz Motruk, Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradsclubs (ADVC). Er hatte im vergangenen Jahr die bundesweite Umfrage vor Ort mit begleitet. 177 Salzgitteraner nahmen daran teil. Motruk hätte sich mehr gewünscht.

Das Ergebnis überrascht den Experten nicht. Unzufrieden sind die Radler vor allem mit dem baulichen Zuständen der Oberflächen, dem Reinigungs- und Winterdienst, den zugeparkten Radwegen und fehlenden Verbindungen zwischen den Ortsteilen. Als Lichtblick gelten die in jüngster Zeit vermehrten Aktivitäten für den Radverkehr. Motruk nennt die Schutzstreifen in Salzgitter-Bad als positiveds Beispiel, die allerdings nicht in jeder Straße angebracht seien. „Sie dürfen nicht dazu dienen, damit die Autos langsamer fahren.“

Er nennt die Fahrradfreundlichkeit einen „guten Gradmesser für die Lebensqualität“ in einer Stadt. „Deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Salzgitteraner auf dem Rad nicht wohler fühlen.“ Der Fahrradklima-Test zeigt laut Motruk für andere Städte, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung auch honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt. Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, zum Beispiel durch für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen, gut abgestimmte Ampelschaltungen oder einen Winterdienst für Radwege.

„Wenn Salzgitter will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit etwas Gutes für ihre Gesundheit und die Stadt tun, dann muss mehr getan werden als einen Radverkehrsplan aufzustellen“, so Motruk. Salzgitters ADFC-Chef fordert eine mittelfristige Finanzplanung dazu und hält zudem die Sanierung in weiten Teilen mitunter für wichtiger als den Bau neuer Radwege. Der ADFC stehe mit Fachwissen als Dialogpartner bereit für einen „Runden Tisch Radverkehr“ mit Polizei, Verkehrswacht und Stadtverwaltung.“

Rot-Grün für neuen Radweg

Mit dem Bau von Radwegen hat sich auch Salzgitters Rat in der Haushaltsdebatte beschäftigt. Die Mehrheitsgruppe aus SPD und Grüne setzte unter anderem durch, das  240.000 Euro für eine Verbindung zwischen Sauingen und Bleckenstedt im Etat aufgenommen werden. Die Frakion Die Linke begrüßte dies. Kritik gab es von CDU/FDP und auch von der M.B.S., deren Fraktionsvorsitzender auf ein Schreiben des Bundes der Steuerzahler verwies. Dieser hatte an die Politik appelliert, auf den Bau zu verzichten.rw