Staatsanwaltschaft: Es war Mord in Salzgitter
Spurensicherung am 28. Mai in Lebenstedt: Die Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Täter nun angeklagt. Foto: rk

Staatsanwaltschaft: Es war Mord in Salzgitter

SZ-Lebenstedt. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen einen 38-jährigen Mann aus Westerkappeln (Nordrhein-Westfalen) Anklage wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen und gefährlicher Körperverletzung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts Braunschweig erhoben.

Dem Kosovoalbaner wird vorgeworfen, am 28. Mai 2018 in Lebenstedt seine ehemalige Lebensgefährtin auf offener Straße vor den Augen der vier gemeinsamen Kinder und weiterer Familienangehöriger mit einem Kopfschuss getötet und deren Schwester mit einem Hüftdurchschuss schwer verletzt zu haben. Bei der mutmaßlichen Tatwaffe handelt es sich um einen umgebauten Revolver, der ursprünglich ausschließlich zum Verschießen von Signal- und Schreckschussmunition geeignet war.
Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeschuldigte seine Ex-Lebensgefährtin erschoss, um sie aus Rache für die Trennung und die damit einhergehende, von ihm unabhängige Lebensgestaltung sowie den Verlust des Sorgerechts für die gemeinsamen Kinder zu bestrafen.
Erst wenige Stunden vor der Tat hatte vor dem Amtsgericht Tecklenburg eine Sorgerechtsverhandlung stattgefunden, in deren Verlauf der Mann statt des von ihm beantragten alleinigen Sorgerechts für die Kinder lediglich ein begleitetes Umgangsrecht erhalten hatte. Unmittelbar danach hatte der Angeschuldigte dem späteren Opfer gesagt, dass sie dies noch bereuen werde. Zudem wartete er zunächst vor dem Gericht auf das spätere Opfer. Zwar konnte durch Mitarbeiter des Gerichts und der auf Veranlassung des zuständigen Richters hinzugerufenen Polizei eine Verfolgung verhindert werden.
Es gelang dem Angeschuldigten aber offenbar, bei seiner Ex-Partnerin das Autokennzeichen aus Salzgitter zu notieren. Nachdem sich der 38-Jährige entfernt hatte, wurde das spätere Opfer durch einen Streifenwagen der Polizei begleitet, bis eine Verfolgung durch den Mann ausgeschlossen werden konnte.
Mehrere Stunden nach der Verhandlung vor dem Amtsgericht fuhr der Angeschuldigte schließlich nach Salzgitter, wo er seine Ex bei ihren Eltern vermutete und auch direkt vor deren Wohnhaus antraf. Dort schoss er zunächst auf die Schwester seiner früheren Partnerin, die sich ihm in den Weg gestellt hatte. Diese brach schwer verletzt zusammen, woraufhin der Angeschuldigte seiner ehemaligen Lebensgefährtin aus kurzer Entfernung in den Kopf schoss. Aufgrund der schweren Verletzungen starb die Frau sofort.
Danach schoss der Angeschuldigte auf den nur wenige Meter entfernt stehenden Großvater des Opfers, verfehlte dessen Kopf nur knapp. Schließlich flüchtete der Mann, wurde aber am Folgetag durch die Polizei festgenommen. „Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund haben die Ermittlungen nicht ergeben“, teilt die Staatsanwaltschaft mit.