Der SRB legt ein Baumkataster für Salzgitter an
In Lobmachtersen musste eine alte Eiche gefällt werden. Ihr Stamm war morsch. Foto: rk

Der SRB legt ein Baumkataster für Salzgitter an

SZ-Lobmachtersen. In Salzgitter kreischen in diesen Tagen wieder die Sägen. Der Städtische Regiebetrieb ist seit einigen Wochen dabei, morsche Bäume zu fällen und so für die Verkehrssicherheit in der Stadt zu sorgen. Gut zwei Prozent der etwa 30.000 öffentlichen Bäume in Salzgitter gelten als so stark beschädigt, dass sie nicht zu retten sind.

Auf den ersten Blick war das morsche Holz nicht zu sehen. In Lobmachtersen in der Crammer Straße musste im Zuge der Fällaktion eine Rarität dran glauben. Die Baumkontrolleure des SRB hatten die alte Eiche schon im Blick, ein externes Gutachten bestätigte die Ergebnisse. Der 36 Zentimeter dicke Stamm hatte nur noch eine „Restwandstärke“ von 6,3 Zentimetern, deutlich zu wenig, um ihn stehen zu lassen. Schon bei einem Drittel gilt ein Baum als nicht mehr standsicher, erklärt Wolfgang Drobny, „Leitung Grün & Friedhof“ beim SRB.
Das Unternehmen hat seit September 2014 den Auftrag, ein Kataster über alle Bäume in Salzgitter zu erstellen und diese dann auch regelmäßig in Augenschein zu nehmen. Egal ob sie an Straßen, Wegen, oder Plätzen stehen, in Grünanlagen, auf Friedhöfen, an Kindertagesstätten und Schulen. Dabei geht es der Stadt auch darum, ihre Pflichtaufgabe rechtssicher abzuarbeiten und nachvollziehbar dokumentieren zu können. Ziel ist es, den städtischen Baumbestand so zu pflegen, dass keine Schäden an Personen oder Sachen zu befürchten sind.
Die SRB-Kontrolleure werfen je nach Standort ein- bis zweimal im Jahr einen Blick auf den Zustand, bei jüngeren Bäumen liegen ein bis drei Jahre zwischen den Terminen. Die Fachleute schauen, ob der Stamm befallen ist oder eine Wunde hat, ob sich Pilze oder Insekten breit machen. Sie erfassen einen möglichen Schaden und legen dabei den Handlungsbedarf fest. „Zum Glück sind nicht alle so beschädigt wie diese Eiche“, erklärt Drobny mit Blick auf den 180 bis 200 Jahre alten Baum, in den schon mal ein Blitz eingeschlagen hatte und der durch verschiedene Hilfsmaßnahmen über Jahre noch erhalten worden war.
Allerdings sind die beiden Kontrolleure des SRB noch lange nicht fertig mit ihrem Auftrag. Sie haben nach Informationen der Stadt inzwischen etwa 12.575 Einzelbäume erfasst, immerhin mehr als ein Drittel. Die Bestandsaufnahme laufe weiter, heißt es.

Besitzer stehen ein
für die Sicherheit

Jeder Besitzer hat für seinen Baum die Verkehrssicherungspflicht. Das bedeutet, dass ihm die Haftung für eventuelle Schäden an Dritten obliegt. Für den öffentlichen Bereich der Stadt Salzgitter hat der Städtische Regiebetrieb (SRB) diese Aufgabe und muss sicherstellen, dass durch Bäume keine Personen oder Sachen zu Schaden kommen.
In den Kontrollen, die nach der Baumkontrollrichtlinie der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) durchgeführt werden, werden die Bäume mittels GPS-Daten erfasst und EDV-technisch verwaltet. Durch diese System-
einführung ist es möglich, ohne weiteren Aufwand den aktuellen Baumzustand in Hinsicht auf Schäden und Vitalität sowie notwendige Baumpflegemaßnahmen direkt vor Ort am Baum aufzunehmen und festzulegen. In ein spezielles Computerprogramm werden vor Ort die Begutachtung der jeweiligen Bäume und der ermittelte Zustand eingetragen. Die festgestellten Mängel werden nach Dringlichkeit klassifiziert. Die weiteren Schritte können von der Pflege (Kronenauslichtung, Totholz-
entfernung) bis zum Fällen reichen.
Schäden an Bäumen zeigen häufig erst nach Jahren schwere Folgen. So können durch Unfälle oder Bauarbeiten die Wurzeln oder der Stamm verletzt werden. Die dadurch eingeschränkte Versorgung des Baumes gefährdet die Standfestigkeit. Durch Wunden können Mikroorganismen eindringen und den Baum nachhaltig schädigen. Auch junge Bäume müssen kontinuierlich betreut werden, denn eine frühe baumverträgliche Pflege garantiert hier eine langfristige gesunde Baumentwicklung.