Polizei muss kommen: Bäume fallen unter Protesten der Gifhorner Stein-Schüler
Schüler auf den Barrikaden: Vergangene Woche fielen die ersten Bäume auf dem Gelände an der Stein-Schule. Der Protest der Schüler half nichts. Foto: Photowerk

Polizei muss kommen: Bäume fallen unter Protesten der Gifhorner Stein-Schüler

Gifhorn. Tränen, lautstarker Protest und Polizeieinsatz: Ende vergangener Woche fielen an der Freiherr-vom-Stein-Schule erste Bäume, um Platz für einen Einkaufsmarkt und ein Parkhaus (hallo berichtete) zu schaffen. Lehrer, Eltern und Schüler fühlten sich von der kurzfristigen Aktion überrumpelt. Die Stadt machte von ihrem Hausrecht Gebrauch – sie ließ den Pausenhof durch die Polizei räumen. Schulleiter Dr. Detlef Eichner hat nun das Engagement seiner Schüler gelobt.
„Der Bürgermeister selbst hat bestätigt, dass es weder einen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, noch haben die Investoren einen Bauantrag gestellt – auf welcher Rechtsgrundlage werden dann die Bäume gefällt“, zeigte sich Elternratsvorsitzender Alexander Walter fassungslos. Er wirft der Stadtverwaltung eine „Salami-Taktik“ vor. Es werde nur unzureichend über das Projekt informiert. Stellvertreterin  Sonja Stojke war sauer. „Die Stadt hat es versäumt, Eltern, Schüler und Lehrer rechtzeitig ins Boot zu holen.“ Man sei enttäuscht und fühle sich nicht ernst genommen, erklärte Mustafa Siala, Sprecher der Schülervertretung.
„Ich bin einfach sprachlos“, war auch Rektor Dr. Detlef Eichner verärgert über das Vorgehen der Stadt. Die Baumfällung lief gegen 13.15 Uhr an, sein Sekretariat sei erst gegen 11.30 Uhr durch die Erste Stadträtin Kerstin Meyer informiert worden. Eichner kritisierte Bürgermeister Matthias Nerlich. Er habe die Schülervertretung um 13.30 Uhr zu einem Gespräch gebeten. Da sei die Aktion jedoch schon angelaufen. Nerlich sei dienstlich verhindert, erklärte Meyer den Protestierenden. Auch wenn es noch keinen rechtskräftigen Bebauungsplan gebe, erfolge die Fällung doch aufgrund der Baumschutzsatzung und der Tatsache, „dass die Vorhabensträger das Projekt umsetzen“. Einige der Bäume seien zudem krank. Für alle gefällten Bäume werde es Ersatzpflanzungen geben.
Später lobte Rektor Dr. Detlef Eichner den Einsatz seiner Schützlinge. „Ich habe Schüler erlebt, die nach Unterrichtsende – also in ihrer Freizeit – hier geblieben sind, um höflich auf ihre Interessen hinzuweisen“, so Eichner. „Ich habe dann ein Verhalten erlebt, das mich fassungslos gemacht hat“, kritisierte er den Auftritt der Stadtverwaltung.
Er machte deutlich, dass es der Schule nicht darum gehe, den Einkaufsmarkt zu verhindern. Dieser sei für die Innenstadt nötig. „Wir haben aber auch immer gesagt, dass wir einen vernünftigen Schulhof brauchen.“ Die Schule fühle sich schlecht informiert. Das wirke sich auf das Demokratieverständnis der Schüler aus.
„Auch wenn wir einmal verloren haben, werden wir uns weiter für unsere Sache einsetzen. Wir werden darauf drängen müssen, dass wir einen neu ausgestatteten Schulhof bekommen“, rief Eichner die Schüler dazu auf, bei der Sache zu bleiben – und zwar höflich, freundlich und bestimmt.